Mit der optimalen Rolle der Biomasse in der Gesamtwirtschaft bis 2050 hat sich das Projekt SoBio2 unter Leitung von Susann Günther (DBFZ) beschäftigt. Dafür wurde das Energiesystemoptimierungsmodell BenOPT um Sektoren erweitert, für die der Einsatz von Biomasse relevant ist: Organische Chemie, Torfersatz, Holzbau und Negativemissionen. Die verschiedenen Sektoren haben unterschiedliche Optionen, die Dekarbonisierung bis 2050 zu realisieren, die alle ins Modell eingeflossen sind. Dabei entstehen natürlich auch Wechselwirkungen mit politischen Entscheidungen und zwischen den einzelnen Sektoren, die alle Einfluss auf den optimalen Einsatz der Biomasse haben. Insgesamt werden acht Szenarien betrachtet, sie sind weiter unten dargestellt.
Die Ergebnisse wurden im Mai 2026 erstmals vorgestellt. Was bedeuten sie für die Zukunft der Bioenergie?
Fünf Take-Away-Botschaften für die Bioenergie
1. Der Energiesektor ist der Sektor, in dem künftig am meisten Biomasse genutzt wird. An zweiter Stelle steht der Chemiesektor.
2. Im Energiesektor wird Biomasse vor allem für Mittel- und Hochtemperatur genutzt.
3. Das wichtigste Nebenprodukt bei der energetischen Nutzung von Biomasse ist Naphtha. Es entsteht bei der Produktion von Biokraftstoffen.
4. Die Abscheidung von Kohlenstoff in Bioenergie-Prozessen (BECCS) etabliert sich nur dann, wenn der CO2-Preis steigt. Andernfalls ist die Kohlenstoffspeicherung im Holzbau die bessere Option der Emissionsreduzierung.
5. Je weniger Biomasse verfügbar ist, desto teurer wird die Defossilisierung.
Das sind die betrachteten Szenarien:
Technologie-Push | Bioökonomie-Push | Bioökonomie-Tech-Push | Erhöhter CO2-Preis | Biomasseknappheit | Suffizienz | Holzbau-Quote |
Im Technologie-Push-Szenario sind Technologien bestmöglich entwickelt und erreichen ideale Wirkungsgrade. Investitionskosten sind niedrig und die Preise für Wasserstoff und Recyclingmaterialien günstig.
| Das Bioökonomie ‑Push‑Szenario beschreibt eine Zukunft, in der deutlich mehr Biomasse verfügbar ist: Mehr wiedervernässte Mooren, die Paludipflanzen liefern, mehr Importe von Holz und biogenen Reststoffen. Gleichzeitig wird im Chemiesektor ausschließlich erneuerbarer Kohlenstoff verarbeitet. | Kombination der Szenarien Technologie-Push und Bioökonomie-Push: Die Biomasseverfügbarkeit ist hoch. Gleichzeitig sind Technologien effizient und Kosten niedrig.
| In diesem Szenario ist der CO2-Preis sehr hoch ist und auf 500 €/t steigt.
| In diesem Szenario ist Biomasse knapp, teuer und stark begrenzt: Importe sind eingeschränkt, Flächen für Anbaubiomasse stehen nicht mehr zur Verfügung. | Bedarf an Biomasse sinkt in allen Sektoren. Es ist das einzige Szenario, in dem auch die Residual- Emissionen sinken. | Das Holzbau‑Quote‑Szenario untersucht, wie sich die Bioökonomie verändert, wenn Deutschland eine Holzbauquote von 50% im Holzbau politisch verbindlich vorgibt. |